OSSEOINTEGRATION: DER KNOCHENVERBUND MIT DEM ZAHNIMPLANTAT
Unter dem Vorgang der Osseointegration versteht man, wie künstliche Gebissteile von Zahnimplantaten im Kiefer vom Weichgewebe umschlossen mit dem umgebenden Knochen nach und nach einen Verbund eingehen. Im idealen Endzustand entsteht dadurch im Vergleich zum separaten, herausnehmbaren Zahnersatz eine biologisch-künstliche Einheit, was für die Trägerin oder den Träger strukturell und funktionell von Vorteil ist.
Zum Begriff der Osseointegration
Osseointegration ist ein fachsprachlicher Begriff ursprünglich aus dem Bereich der implantologischen Kieferchirurgie, der inzwischen jedoch auch medizinisch weitergehend benutzt wird, so beispielsweise bei der Amputationsversorgung. Das Wort setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen, wobei lateinisch »os« Knochen bedeutet und davon abgeleitet »osseus« knöchern. Lateinisch »integrare« wiederum bedeutet aufnehmen. Es geht also wörtlich um die knöcherne Aufnahme, hier die Zahnheilkunde betreffend von körperfremdem Zahnersatz.
Geschichtliche Entwicklung
Die Begriffsbildung und wissenschaftliche Beschreibung der Osseointegration geht auf die Zeit 1965-1967 und den schwedischen Orthopäden und Forscher Per-Ingvar Brånemark zurück, der gelegentlich als »Vater der modernen Zahnimplantologie« bezeichnet und gewürdigt wird. Er hatte im Rahmen von Tierversuchen zur Blutzirkulation bei der Knochenheilung entdeckt, dass Titan vom Knochen nicht abgestoßen wird und dem menschlichen Körper verträglich ist. Bis die Methode dann im Jahr 1982 jedoch anerkannt wurde, waren erhebliche Widerstände in der Fachwelt zu überwinden. Tatsächlich aber lebte schon der allererste menschliche Patient vierzig Jahre bis zum Tod problemlos mit den von Brånemark ihm eingesetzten Implantaten.
Zeitablauf und Idealziel
Bei einer erfolgreichen Implantation erstreckt sich die Osseointegration über einen Zeitraum von etlichen Monaten. Der gewünschte Knochenverbund kann als vollständig ausgeheilt und stabil betrachtet werden, wenn sich der Zahnersatz bei der zahnärztlichen Kontrolle als unbeweglich erweist, keine Schmerzen, Entzündlichkeiten, Fehlempfindungen oder Nervenschäden vorliegen sowie Kiefer und Kieferkanal von unauffälligem Befund sind. Der Klopfschall klingt hart und hell, während ein dumpferes, weicheres Geräusch auf einen noch nicht abgeschlossenen Prozess hindeutet. Im Röntgenbild darf zwischen dem Implantat und dem Knochen keine dunkle Zone mehr erkennbar sein.
Der operative Eingriff
Voraussetzungen für den operativen Eingriff sind ein Gesundheitszustand ohne akute Infektionen oder Entzündungen sowie ein stabiler und ausreichend belastbarer Kreislauf, der für eine gute Blutzirkulation und damit wirksame Transportprozesse im Körper sorgt. Bei der Einbringung des Implantats werden durch die Bohrung Gewebe, Blutgefäße, Knochen und Knochenmark einer Schädigung unterzogen, die jedoch die Osseointegration initiiert. Die Eingriffsstelle muss so präpariert sein, dass im Implantatsbett durch den umgebenden Knochen eine genügende Primärstabilität gewährleistet ist.
Die Heilphase
Zunächst wird das beschädigte Zellenmaterial abgebaut und durch Weichgewebe ersetzt. Da zudem Knochenmaterial resorbiert wird, nimmt tatsächlich die Primärstabilität ab und tritt etwa zwei bis vier Wochen nach dem Eingriff in eine kritische Phase. Die Belastung des Gebisses ist möglichst zu minimieren. Schließlich aber wird das zunächst angelagerte Bindegewebe schrittweise in neue, voll mineralisierte und funktionale Knochenstruktur umgewandelt, die dann dauerhaft die gewünschte Sekundärstabilität herstellt. Damit ist der Abschluss der Osseointegration erreicht.
Ab diesem Zeitpunkt erhalten Patienten den endgültigen festen Zahnersatz (Tertiärstabilität).
Risikofaktoren
Die dentale Implantologie hat sich als Behandlungsmethode jetzt über mehrere Jahrzehnte grundlegend bewährt. Ein höheres Lebensalter ist für sich allein kein negativer Prognosefaktor, auch wenn Heilprozesse länger dauern. Im Gegenteil bewirkt die direkte Übertragung der Kaukräfte auf das Implantat und den umgebenden Kieferbereich eine funktionelle Belastung, was einem altersbedingten Knochen- und Gewebeabbau entgegenwirkt. Die Osseointegration hängt jedoch beispielsweise von der genetischen Disposition ab, die die Knochenqualität und die Knochenphysiologie bestimmt. Lebensgewohnheiten wie Rauchen und die Einnahme unterschiedlichster Medikamente oder Substanzen mit unklaren Wechselwirkungen führen häufig zu einem letztlich schwer einschätzbaren Behandlungsverlauf.
Der wesentliche Aspekt
Ein durch Osseointegration fest mit dem Knochen verbundener Zahnersatz verteilt die beim Kauen wirkenden Kräfte gleichmäßig und anatomisch abgestimmt auf den Gesamtkiefer. Im Gegensatz dazu werden bei herkömmlichen Gebissteilen die betreffenden Ankerzähne zwangsläufig mehr- und fehlbelastet, was über die Zeit zu unvermeidbar weiteren Zahnverlusten und anderen Gesundheitsschäden führt.